Weistum über den Weseler Wald

Weistum über den Weseler Wald

Der Königl. Preußische Archivrat und Bibliothekar, Dr. Theodor Josef Lacomblet, gab im Jahre 1860 durch die Schaubsche Buchhandlung in Düsseldorf das „Archiv für die Geschichte des Niederrheins“ heraus.

Im dritten Bande dieses Werkes, das in zwei Hefte unterteilt ist, befindet sich, beginnend mit der Seite 18g, ein mit „Zweites Heft, die Mark- und Waldgenossenschaften“, überschriebener Hauptteil.

In Urkundensammlungen mit erläuternden Einleitungen stellt hier der Verfasser sogenannte „Weistümer“ verschiedener ländlicher Gemeinden des Niederrheins im Originaltext vor. Diese Weistümer, Regelungen zur gemeinschaftlichen Nutzung der Wald- und Weidemark bestimmter Siedlungen, sind für manche Ortsgeschichte im einzelnen und für die Rechtsgeschichte im allgemeinen von Bedeutung.

Die Sammlung enthält u. a. Waldweistümer über den Aachener Reichswald, den Duisburger Wald, den Elberfelder Gemarkenbusch, den Wald Buchholz, den Stommeler Wald, die Waldrechte zu Mohrenhoven und im engeren heimatlichen Bezüge für uns mit Urkunden aus dem Hochmittelalter: das Weistum über den Weseler Wald.

Hören wir nun zunächst im Auszuge das Wesentlichste aus der allgemeinen Einleitung:

Die Mark- und Waldgenossenschaften

Das Leben einer ländlichen Gemeinde findet einen stillen Ausdruck in der gemeinschaftlichen Nutzung der Wald- und Weidemark, woran sich auch zumeist der Begriff des Gemeindeverbandes ausgebildet hat. Daher sind alte Waldweistümer, abgesehen von ihrem rechtsgeschichtlichen Werte, für die Ortsgeschichte lehrreiche und anziehende Urkunden. Manche Zustände, welche aller Überlieferung vorangehen, weisen auf das Entstehen der Ortschaften selbst zurück.

Mehrere Weistümer deuten noch einen zweifachen Rechtsgrund an, aus welchem die Befugnis und das Maß der Waldnutzung hergeleitet ist. Sie unterscheiden zwischen Markgenossen und Walderben. Jene werden Märker, die in der Mark nicht Ansässigen Ausmärker oder mit gewöhnlicherem Namen Köther genannt. Alle Köther haben ein gleichmäßiges Recht auf den Besitz und die Bewohner eines Kothens, einer Hausstätte mit Herd, innerhalb der Mark.

Das Recht der „Erben zum Walde“ hingegen stuft sich gegenseitig ab. Urkunden über größere Höfe und Grundstücke geben an, wieviel Gewalten (potestates) zur Wald- oder Weidemark denselben zustehen. Dieses ungleiche Maß der Berechtigung zur Wald- und Weidenutzung fließt ursprünglich aus dem größeren oder geringeren Umfange des berechtigten Grundbesitzes her.

Trotz strenger Regelung des Holzverbrauchs und der Pflicht zu Neuanpflanzungen konnten selbst Aufsichten und Strafen nicht verhindern, daß viele Wälder, wie die Waldordnungen des 14. Jahrhunderts klagen, verwüstet wurden oder gar untergingen. Natürlich gab es viele Umstände und Ursachen, die hierzu beitrugen. Die Hauptgründe sind wohl in dem stetigen Anwachsen der Bevölkerung und der damit im gleichen Schritte steigenden Bodenkultur und Gewerbetätigkeit zu sehen, abgesehen davon, daß alle Kriege und die vielerlei Feldzüge für die Waldwirtschaft ebenfalls nicht förderlich waren.

Der Weseler Wald

Drei Kirchspiele, Wesel, Hamminkeln und Drevenack, und alle in ihnen gelegenen Güter sind „zum Walde berechtigt“.

„Dyt synd die rechten ind gewointen van Weseler Walde van den holtrichter ind holtgyngen soe men dat van alden herkomen gehalden hevet ind als dat by den gemeynen erffgenoiten gecleirt ind uithgedragen is.

1.Then yrsten synt in dat Walt gerechtichet alle guder gelegen im den Kerspel van Wesel;    Item dat Kerspel van Hamwinckel, uitgenamen die praestgude, die hoeren in dat Elssholt, induitgenaemen die Apelsche gudere, die hoeren in dat Hulsshorst; Item dat Kerspel ind byurschap van Drevenick; Item die guede to Hyell ind to Marss synt hyerin gerechtichet, die to Bysslick noch Brueckslachnoch Waltslach enheben; Item in den Kerspelen vursc. synt voill hoeve die recht heben in dem Wailde: als in dem Kerspel van Wesel die hoff to Wesel die Closterhoff, die hoff toe Alt-Ioe, die hoff toe Wylaken, die hoff toe Haessem, die hoff toe Drawinckel, die hoff toe Wede-husen ind toe Fluren die hoff toe Einthave ind die hoff toe Grevynckhave ind vort synt toe Fleuren hoeven ind caetsteden.Item in den Kerspel van Hamwinckelen die hoff toe Swynhem die hoff to Lohusen die hoff toe Steckelwick die hoff in gen Rade ind die Caildenhoff Deryck Kroenen;

Item in dem Kerspel ind dorp toe Drevenick die hoff to Swartsteen ind die hoff to Buden-raede.Item vermeten sich an dat Walt gerechtichet to wesen als in den Kersp van Bruynen die hoff toe Essel ind in den Kerpel van Spellen die hoff to Voirst ind die hoff to Hyell.“

In dieser ersten mittelalterlichen Urkunde  des Weselerwaldes Weistums  ist  innerhalb der aufgeführten Gemeinden  so mancher noch heute existierende bäuerliche Besitz genannt, der somit auf eine lange Geschichte zurückblicken kann.

Als Beispiel dafür möchte ich von den oben genannten uralten Bauerngütern noch einmal den „hoff toe Drawinckel“ nennen. Es ist der unter dem Namen „Gut Vinkel“ bekannte Besitz unseres Landrats Friedrich Mölleken.

Der in Drevenack von 1894 bis 1925 amtierende evangelische Pfarrer Friedrich Althen weist in seiner geschichtlichen Darstellung über „Die lutherische Gemeinde Drevenack“ (erschienen beim Evangelischen Preßverband für Rheinland, Essen 1931) auf Seite neun seines Büchleins auf die Zusammenhänge zwischen dem Ortsnamen Drevenack und dem des Gutes Vinkel hin.

Er schreibt: „Die Endung ,acon‘ oder ,icon‘ oder ,oacon‘ wurde von den Kelten, die vor der germanischen Einwanderung hier wohnten, an einen Eigennamen gehängt, um dessen Besitz anzuzeigen.“ So wie Jülich von Juliacum, d. h. Gut des Julius, den Namen hat (aus dem keltischen „iacon“ machten die Römer „iacum“), müßte Drevenack nach Meinung Friedrich Althens mit größter Wahrscheinlichkeit „Drevenakon“ oder „Drevenikon“ geheißen haben, was dann bedeuten würde: Besitztum des Dreven. (Heute noch im Familiennamen: Drews oder Drewes).

Pfarrer Althen schreibt weiter:

„Vinkel hieß früher Drawinkel oder Drawinkelle, auch Drawevinkel. Ein ,castellum de Drave-winkel‘ wird 1277 (Urkunden i. d. Farragines des Gelenius VIII. fol. 459, Köln, Stadtarchiv) und 1384 (Lacomblet, Archiv IV, S. 387) erwähnt.

Da nun die Endung ,Kelum‘ im Lateinischen eine Verkleinerung bedeutet, darf vermutet werden, daß ,Dravinculum‘, woraus ,Dra-winkelle‘ und später /Vinkel‘ geworden ist, ein kleiner Nebensitz jenes ,Drawinius‘ = ,Dre-ven‘, des Gründers und Herrn von Drevenack, gewesen ist.“

In den Weistumsurkunden „Weseler Wald“ heißt es weiter:

„To weeten is dat Marckenrecht is Ackeren, Weyden, tuyn ind tymmer.“

Der Wald ist ursprünglich als Mark offen für alle Eingesessenen in seinem Bereiche. Das Markenrecht umfaßt die Schweinetrift, die Weide und das Zaun- und Zimmerholz („tuyn ind tymmer“). Obwohl somit für alle Märker die gesamte Waldnutzung grundsätzlich eingeräumt wird, sind Berechtigungsunterschiede zu verzeichnen. Schon die Urkunde eins zeigt uns, daß eine stattliche Anzahl Höfe besonders und namentlich hervorgehoben wird. An der Spitze aller Berechtigten aber stehen die „erffgenoiten“, die Erbgenossen, wie uns dies die nachstehende Urkunde elf deutlich macht:

„Erffgenoiten die in dem wailde houwen baven averdrach der erffgenoiten in der holtynge, der ensall die holtrichter waltfurstere noch oick die wildfurstere nyet spenden, dan dat sullen sy in der neisten holtynge vernuegen in dat der voirt uthdragen laten; Ind markgenoiten die myt onrechten houwen bevonden worden, dat weir van holtrichter van waltfurster off oick van den Wiltfurster, den sullen sy darob penden vur sulke broke als dat in der neisten holtynge verleden verdraegen wer, ind sullen die pande hernae brengen op dat Cloister, dair sall die Prior op den Cloister eyn Karre ind eynen Knecht toe doen, die pande met op den Cloister to vuren, ind an den panden hevet die here dat derdendeill.“

Von einem gleichen Recht als Grundanspruch für alle, so wie es heute zu den Grundlagen einer wahrhaften Demokratie zählt, konnte also damals noch nicht die Rede sein, im Gegenteil: Der Erbgenosse konnte ruhig auch einmal unbefugt Holz fällen, wurde er dabei zufällig vom Wald- oder Wildförster ertappt, durfte das geschlagene Holz nicht gepfändet, nicht beschlagnahmt werden. Die Waldaufseher hatten lediglich auf dem nächsten Holzgeding Anzeige über den Vorfall zu machen. Der bei gleicher Untat angetroffene Markgenosse, der nicht „Erbe zum Walde“, sondern „Unerbe“ war, wurde sein geraubtes Holz wieder los. Er hatte es zum Kloster zu bringen, wobei ihm dieses mit der Gestellung von Knecht und Karre noch (sicherlich gern!) behilflich sein mußte. Von solchen Pfändungen verfiel dann noch der jeweilige dritte Teil an die Herren der Waldaufsicht und des Holzgedinges.

Schlimmer  noch   ergeht  es   einem   außerhalb   der  Markgenossenschaft   stehenden  Fremden, einem sogenannten Bürglosen, wenn er beim Holzschlagen im Walde angetroffen wird. Er wird kurzerhand festgenommen und seine Beute wie im vorstehenden Falle aufgeteilt. Die Eigenschaft eines Gutes gilt als Maßstab seiner Berechtigung für die Wald- und Weidenutzung. Hierzu besagt die Urkunde drei:

„Item als eyekelen in den Wailde synt soe hevet eyn hoff dairin XXX vercken in eynen beer, eyn hove XII vercken ind eyn caetstede eyn vercken ind elker vuerstede van Wesel hevet dairin recht van eyner weere ind die huysluyden up ten hoeven ind gueden gesetten dryven dairin oir heymtucht ind oir heymtuchtsynt oir vercken die van sunte Margariten myss dair-vor neyst geledert van oir weere toe waeter ind to traege gegain heben, dair to die huysluyde oire eden doin moissen als men dat van oen heben woldt.“

Der Hof treibt 30 Schweine mit einem Eber, die Hufe 12, der Kothen 1 Schwein zur Eichelmast in den Wald, die Hausleute auf den Hufen und Gütern dürfen an Schweinen die Anzahl in den Wald schicken, die von ihnen mit eigenem Futter aufgezogen wurde. In seiner Vorbetrachtung über das Weistum des Weseler Waldes heißt es bei Lacomblet abschließend:

„Zu Wesel auf der Mathena wird das Holzgeding abgehalten. Der alte Reichshof Wesel ward das Haupt des nach ihm genannten Waldes, und die Stadt, welche darauf im Jahr 1241 entstanden (Urkundenbuch II. 258), hat wohl am meisten dazu beigetragen, neben dem fränkischen Hofessystem, welches sich in Beziehung der Waldnutzung geltend gemacht, das alte Markenrecht in den Hausleuten aufrecht zu erhalten.“

Das Weistum über den Weseler Wald schließt mit einer unter dem Vorsitz Sander Vogels und des Bürgermeisters Johann Cortenbusch vom „Ehrbaren Raidt und sementlichen Erven und Waldtgenossen“ im Jahre 1518 festgelegten „Waldt-Ordtnungh“, die in 54 Einzelabschnitten bis ins Detail gehende Bestimmungen und Regelungen zur geordneten Nutzung und Pflege des gemeinsamen Waldbesitzes enthält und dem hohen Ziele der „Wolfart unsers Waldtz“ dienbar gemacht werden sollte.

 

 

QUELLEN:

  1. Archiv für die Geschichte des Niederrhein, III. Band. Herausgegeben von Dr. Theodor Joseph Lacomblet,

Könlgl.-Preußischer Archivrathe und Bibliothekar.  Düsseldorf, 1860. In Commission der Schaubschen Buchhandlung.

  1. Die lutherische Gemeinde Drevenack. Pfarrer Friedrich Althen. Erschienen beim Evangelischen Preßverband für Rheinland. Essen 1931.
  1. Alfred-Wilhelm Scholten, Heimatkalender 1969

Haus Schwarzenstein

Haus Schwarzenstein

Ein altes „festes Haus“ im Lippetal

Wer im Ruhrgebiet auf der Autobahn am Oberhausener Kreuz nach Norden abbiegt, gelangt so auf der Hollandlinie — der Europastraße 36 — nach etwa einer Viertelstunde zu der Autobahnraststätte Hünxe. Hier öffnet sich das breite, flache Tal der Lippe. Ein langes Brük-kenbauwerk überspannt den Lippe-Seitenkanal und nördlich davon den sich durch die grünen Wiesen schlängelnden Fluß der Lippe. Zur linken Hand, nördlich der Lippe, am Übergang von der Aue zu den Sanddünen der Mittelterrasse, eingerahmt von hohen Laub- und Nadelbäumen, fällt dem Autowanderer ein zierliches Schlößchen mit einem überragenden Turm ins Auge. Es ist Haus Schwarzenstein, ein uralter Herrensitz klevischer Adelsgeschlechter. Von der ursprünglichen Form einer mittelalterlichen Burganlage ist nicht mehr viel übriggeblieben. In den verschiedenen Jahrhunderten sind bauliche Veränderungen vorgenommen worden, die durch Zerstörungen in Kriegszeiten oder durch die bauliche Unterhaltung notwendig wurden. Nur der alte Turm ist fast unverändert aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Haus und Gut Schwarzenstein war ein landtagsfähiger Sitz der Ritterschaft des Herzogstums Kleve, in preußischer Zeit ein Rittergut. Die Geschichte des Hauses Schwarzenstein ist mit dem Lippetal, insbesondere mit Hünxe und Krudenburg, eng verbunden. Sie beginnt mit dem Edelherrengeschlecht von Hünxe (1091 und 1093) und deren Nachfolgern, dem ebenso reich begüterten Rittergeschlecht von dem Berge (auch: de Monte) in Hünxe. Sie führten in ihrem Wappen das fünf-speichige Rad. Von 1339 bis 1341 führte Ritter Dietrich von dem Berge zu Hünxe, der auf der Wallburg, dem sogenannten Ringwall, saß, mit dem Grafen von Kleve eine Fehde. Der Graf als aufstrebender Territorialherr wollte den freien Grund- und Gerichtsherrn als Vasallen mediatisieren, d. h. unterwerfen. Dabei kam es zur Fehde, die mit der Waffe ausgetragen wurde. Nach Lage der Gegebenheiten ist die Annahme berechtigt, daß diese Ritter „Swert-steene“ zunächst als befestigte Hofesanlage (mit Wall und Bergfried) gegen den klevischen Burgstall (die spätere Krudenburg) errichtet und besetzt haben. Die Lage war günstig, weil eine Seite durch die Lippe geschützt war; andererseits konnte der Fluß von diesem Platz aus gut überwacht werden. Aus dieser ersten Befestigung entwickelte sich das „Kasteel“, ein festes Haus. Seinen ursprünglichen Namen „Swertsteen“, welches Schwertstein bedeutet, scheint es aus seinem originären Verteidigungszweck bezogen zu haben. Daraus wurde später „Schwarzenstein“ abgewandelt. Mitte des 14. Jahrhunderts gelangte es in den Besitz der Freiherrn von Gemen, die es von dem nun absteigenden Geschlecht von dem Berge neben anderen Gütern erworben hatten.

Wir haben hier einen der sehr seltenen Fälle, daß ein mittelalterlicher Besitz mit dem zugehörigen Gute, wenn auch im Laufe der Zeit wesentlich verändert, so aber doch als eine Einheit bis in die heutige Zeit erhalten blieb. Daher dürften die Inhaber von Schwarzenstein und die wenigen sonst noch vorhandenen Überlieferungen unser Interesse erwecken. Haus Schwarzenstein, in der heutigen Form ein ansprechendes Schlößchen, dient nun sportlichen Zwecken. Es ist Standquartier der Pferde und Hundemeute des Rheinisch-Westfälischen Schleppjagd Vereins e. V. Düsseldorf. Hier im Lippetal versammeln sich insbesondere zur Herbstzeit, wenn die Natur ihr buntes Kleid angelegt hat, die Reiter zu ihren weithin bekannten Reit- und Schleppjagden. Der rote Rock und das Gekläff der Meute beleben dann die reizvolle Landschaft, bis das Halali erschallt.

  1. Die adeligen Herren von Sdiwarzenstein
  2. Grano Swertsteen (alias Ritter Philipp von dem Berge) ist bereits vor 1348 mit Schwarzenstein durch Johann Freiherrn von Gemen belehnt.
  3. Am 24. Juni 1348 wird der Weseler  Patrizier  und  Schöffe  Rutgerus Kortsac  (oppidano weselensis) von Johann Freiherrn von Gemen mit Zustimmung seiner Frau Beatrix mit Sweitsteen belehnt.
  4. Am 1. März 1372 erwirbt es Thomas von dem Berge (alias de Monte) — Sohn des Ritters Philipp von dem Berge, genannt Swertsteene, Richter zu Hünxe — von Rutger Kortsac, erblich als Dominium und Eigentum, so wie Kortsac es früher selbst von Johann von Gemen erworben hatte. Mitbesiegler: Johannes ter Beke, Richter zu Drevenack; die Gerichtsleute: Everhardus Roie, Sculte von Drevenack; Borghardus von  den Stalle; Hermanus Bohnkamp; Jehannes uppen Venne; Heynekinus de Bodenrade; Hermanus ton Broke.
  5. Stephan van den Ryn und seine Frau Hilleken erwerben Schwarzenstein von Philipp von Swertsteene und seiner Frau Alyd, mit Einverständnis der Mutter Philipps, Hedwig, und deren zweiten Mann, Sweder von Ringenberg. Die Urkunde vom 21. 11. 142g (Pergament, in Händen des jetzigen Besitzers Eichelberg). Richter und Schöffen zu Drevenack besiegeln den Verkauf. Zum Lehen Schwarzenstein gehörten ferner 2 Katstellen bei Drevenack, 2 Landstücke, die jenseits der Lippe im Bucholter Aap liegen, und die Waldgerechtsame in der Dämmer Waldmark.
  6. Sweder von Ringenberg wurde alsbald danach Herr von Schwarzenstein, da Stephan van de Ryn es an diesen wieder verkaufte. Der von Ringenberg hat es dann bis 1454 besessen.
  7. 1454 erwarb Elisabeth  Stecke  geborene  von Bellinghoven,  die Witwe  des  Ritters Goswin III. von Stecke, Erbmarschall des Landes Kleve und Drost zu Dinslaken, Herr zu Krudenburg, Haus Schwarzenstein.
  8. Etwa 1460 tritt Goswin (IV.) von Stecke, verheiratet mit Carda von Gemen, das Lehen Schwarzenstein an. Die Stecke waren mit den von dem Berge verwandt. Nun ist Schwarzenstein zusammen mit Krudenburg ein klevisches Lehen. Der klevische Herzog schuldete damals den Stecken große Summen (ca. 7000 alte Schilde). Das Wappen der Stecke: Im goldenen Schilde ein Querbalken, der, durch einen Wolkenschnitt geteilt, oben rot, unten silbern war.
  9. 1468 erwerben Röttger Amelong und seine Frau Mechelt das Lehen Schwarzenstein durch Kauf von Goswin Stecke und seiner Frau Carda von Gemen mit allen anklebenden Gerechtsamen. Die Amelongs  waren  ein mächtiges  Kaufmannsgeschlecht,  das  weite  Verbindungen anbahnte und dafür vom Herzog zu Kleve geadelt wurde. Sie waren eine Weseler Patrizierfamilie, die auch ein Schöffenamt inne hatte. Sie lagen mit der Stadt Wesel wegen des ihnen zustehenden Weinschenkenamtes im Streit. Röttger scheint deswegen die Stadt verlassen und Schwarzenstein erworben zu haben. Röttger verheiratet sich in zweiter Ehe mit Alyt, die nach Röttgers Tode Walter Amelong heiratete. In ihrem Wappen führten sie einen gesenkten Adlerflug. Am 14. Februar 1514 verkauften Alyt und Walter „Onse Hus ind borch gehieten Swartsteyn“ an den Ritter Roloff Mumm.
  10. Die Familie Mumm 1544-1713
  11. Im Februar 1514 gelangte Haus Schwarzenstein so in die Herrschaft des Geschlechtes von Mumm. Die Mumms, ursprünglich Moms, seit 1177 in den Niederlanden ansässig, waren im klevischen keine Unbekannten. 1419 erhielt der Ratsherr Rudolf Mumm aus Arnheim bei seinem Aufenthalt in Wesel von der Stadt „den Wein geschenkt“. Das Wappen der Mumm: Im roten Schilde ein blauweißer, zu drei Reihen geschachteter Querbalken, auf dem Helm ein Mohrenrumpf mit rotweißer Binde und Eselsohren.

Der erste Besitzer auf Schwarzenstein aus diesem Arnheimer Geschlecht war Roloff Mumm (Sohn von Rudolf M. und Alyt von Baer). Roloff heiratete Maria von Hüchtenbruch zu Gar-trop, die ihm zwei Söhne (Bernd und Arnd) schenkte. Schon 1517 baute er „Schloß und Turm“ neu. Roloff führte mit der Übernahme der Herrschaft eine geordnete, wenn nicht sogar strenge Wirtschaft ein, die man in der Zeit der Amelongs nicht gewohnt war. Von Wesel hatte man einen Weg durch die Gründe Schwarzensteins gelegt, die Zäune beseitigt und die Gräben zugeworfen. Diesen Weg hob Robert kurzerhand auf und ließ Zäune und Gräben wieder herrichten und an dem Wegeübergang Schranken und Sperren errichten. Auch verbot er den Weselern das von diesen geübte unbefugte Torfstechen auf seinen Grundstücken. Wesel faßte das nun als einen Eingriff in die Gewohnheitsrechte der Bürger der Stadt auf, zumal Rutger gegen einige der Weseler Waldfrevler (unbefugtes Torfstechen, Holzentnahme) die Pfändung hatte durchführen lassen. Man forderte Zurücknahme der Pfändung; Mumm dachte nicht daran. Der Magistrat forderte einen Ortstermin, aber man einigte sich nicht. 1520 versuchte ein Bevollmächtigter der klevischen Domänenkammer zwischen den Parteien einen Vergleich zu erreichen, ohne Erfolg. Es bestand zwischen dem Herrn auf Schwarzenstein und der Stadt Wesel ein gespanntes Verhältnis, das insbesondere dadurch Ausdruck erlangte, daß Mumm zu der Huldigung des Herzogs Johann von Kleve am 9. 8. 1522 nicht eingeladen wurde, da er mit der Stadt in Zwist lebe. Roloff starb 1571 im festen Glauben an sein Recht. Er wurde in der Kirche Drevenack beigesetzt; daselbst befand sich auch das für ihn errichtete Grabmal.

  1. Im Jahre 1536 tritt Bernd von Mumm (Rudolfs Sohn und Erbe) die Herrschaft auf Schwarzenstein an. Aus seiner Ehe mit N. N. geht der Sohn Bernd hervor. Er läßt von Arnold Merkator eine Karte vom Kastell und den Gütern Schwarzensteins anfertigen, die sich im Besitze des jetzigen Eigentümers des Hauses befindet. Neben dem Turme sind zwei aneinanderstoßende Tracks sichtbar. Bernd wurde sofort bei der Übernahme der Herrschaft in den Streit mit der Stadt Wesel verwickelt. Wesel blieb 1536 bei der Abführung der Steuern einen Teil schuldig und ist so gezwungen, eine Anleihe aufzunehmen oder die Bürger pfänden zu lassen. Der Magistrat und die erregte Bürgerschaft sagten die Ratifikation der Schuldverschreibung unter der Bedingung zu, daß die angeblichen Rechte der Stadt auf den Gründen Schwarzensteins wieder eingeräumt werden. Mumm diente dem Bürgermeister Wesels so in schwieriger Situation offensichtlich für die aufgebrachte Bürgerschaft als Prellbock. Ein Bote der Stadt ritt nach Schwarzenstein; Bernd weilte in Arnheim, und seine Frau lehnte eine Verhandlung ab. Nun nahm die Stadt das Darlehen in Höhe von 200 Goldgulden auf und stellte den Schuldschein auf den Namen Mumms aus. Bernd Mumm dachte nicht daran, diesen Schuldschein einzulösen. Als nun der Fälligkeitstermin verstrichen war, rotteten sich Weseler Bürger im Juni 1576 zusammen, zogen auf die Grundstücke von Schwarzenstein. Mumm beschwerte sich bei der Domänenkammer in Kleve. In einem anberaumten Lokaltermin wurde die Stadt Wesel zu einem Schadensersatz von 200 Goldgulden verurteilt (von denen 100 dem Landesherrn, dem Herzog zu Kleve, und 100 dem Geschädigten Mumm zu zahlen waren).

Dieses Urteil wurde der Stadt am 20. 7. 1676 zugestellt. Am 24. Juli in der Frühe aber zogen erneut Weseler Bürger, nun unter der Anführung des Bürgermeisters Bellinghoven, auf Schwarzenstein hinaus, stachen Torf und führten 73 Fuder davon nach Wesel. Was man nicht wegschaffen konnte, ließ man durch Schützen bewachen. Man zerstörte den angeblich außerhalb seiner Besitzung stehenden Schafstall, weil Schwarzenstein die Schafstrift nicht zustehe, plünderte den Obstgarten und schlug eine Reihe von Bäumen um. Man tobte und machte seinem aufgespeicherten Zorn Luft. Dieser fortschwelende Zwist sollte auch noch den nächsten Herrn von Schwarzenstein behelligen.

1o. 1581 ist Bernd von Mumm (Sohn und Erbe von Bernd, siehe 9.), Drost zu Orsoy, Herr auf Schwarzenstein. Er war verheiratet mit Judith Baars, genannt Olysläger, die ihm fünf Kinder (Rudolf, Franz, Christoph, Bernd und Janne) schenkte. Judith starb 1584. In seiner Zeit wurde der Rechtsstreit zwischen der Stadt Wesel und Schwarzenstein entschieden. Wesel mußte Mumm den entstandenen Schaden ersetzen und die Gerichtskosten zahlen. Als das Urteil im Jahre 1584 erging, war schon eine sehr kriegsbewegte Zeit; die Religionskriege hatten auch im Klever Land und im Lippetal ihren Anfang genommen. Darüber lesen wir eine lakonische Nachricht: „Schwarzenstein, dem von Falkenberg genand Mumm, Drosten zu Orpy gehörig, geplündert im Jahre 1598.“

  1. Im Jahre 1623 wird Rudolf von Mumm (Sohn von Bernd, siehe 10.) Herr auf Schwarzenstein. Verheiratet war er in erster Ehe mit Elisabeth von Uhlenbruck (aus dieser Ehe zwei Kinder: Johann Wilhelm und Johanne), in zweiter Ehe mit einer Bürgerlichen — seiner Magd — (aus dieser Ehe ein Sohn: Franz). Auch Rudolf bekleidet das Orsoyer Drostenamt.

In dieser Zeit ist das Lippetal erfüllt von Durchzügen, Einquartierungen, Diebstahl, Raub und Totschlag der Kriegsvölker des Religionskrieges. Spanier, Hessen, Bayern, niederländische Geusen und andere Landsknechte leben aus dem Lande. Nachricht vom 7. n. 1623: „Die königlich hispanische Armada unter Don Kordua hat sich in und um Schwarzenstein gelagert und hier bis in den Herbst dieses Jahres verschanzt. Von dieser Einquartierung wurden die Bauern und Hausleute sehr hart belästigt. Darunter sind Leute gewesen, die gar kein Roggenbrot mehr gehabt, sondern Wickenbrot haben essen müssen. Diese bedrängten Leute sind durch die bei Schwarzenstein gelagerte Armee der Spanier ihrer gesamten Habe jämmerlich beraubt. Bei diesem hochbetrübten, schrecklichen und anhaltenden Kriegsverderben wurde durch die Einquartierung und ständigen Durchmärsche sehr großer Schaden verursacht. Die Bauersleute wurden nicht nur alleine allen Vorrats, der Haustiere und des Getreides beraubt und an den Bettelstab gebracht; dadurch sind sehr viele Bewohner an unerträglichem und erbärmlichem Hunger und Kummer verstorben.“

  1. 1649 ist Johann Wilhelm von Mumm (Sohn von Rudolf, siehe 11.) Herr und Erbe von Schwarzenstein. Er ist ebenso Drost von Orsoy. Auch er war zweimal verheiratet, und zwar in erster Ehe mit Christine Sybille von Merten (die ihm die Tochter Judith gebar, die N. von Retrath heiratete), in zweiter Ehe mit seiner Magd Helene Hillebrand aus Dinslaken (die ihm zwei Söhne, Johann und Rudolf, schenkte). Ihm gehörte auch das Haus Löhnen bei Voerde. Nähere Nachrichten fehlen.
  2. Johann von Mumm (Sohn aus zweiter Ehe zu 12.) wird Herr und Erbe zu Schwarzenstein im Jahre 1670. Er heiratet Anna Catharina Wilhelmine von Mevert. Nach dem Tode seines Vaters war das Vermögen der Schwarzenstein durch Plünderungen und Verwüstungen infolge des Krieges soweit zusammengeschmolzen, daß die Besitzungen unter den Kindern des verstor benen Johann Wilhelm geteilt wurden. Schwarzenstein erhielten die beiden Kinder aus zweiter Ehe. Johann v. Mumm starb X681 kinderlos. Er wurde im Chor der Kirche Drevenack beigesetzt. Seine Witwe vermählte sich zum zweiten Male 1702 mit ihrem Halbneffen Johann Bernhard von Retrath (Sohn von N. v. Retrath und Judith v. Mumm), der so in den Besitz von Schwarzenstein gelangte.
  3. Johann Bernhard von Retrath wird durch Heirat seiner verwitweten Tante (Anna Catharina Mumm geb. von Mevert) im Jahre 1702 Inhaber von Schwarzenstein. Anna Catharina starb bereits am 18. 7. 1705. Sie ist in der Kirche Drevenack begraben. (Die hölzerne Totentafel stand früher in der Kirche, ist aber seit der Kirchenrenovierung auf Schwarzenstein).

Diese Ehe blieb kinderlos, und dieser Zweig der verbreiteten Adelsfamilie Mumm starb aus. Schwarzenstein wurde veräußert.

  1. Im Jahre 1713 erwarb der Generalmajor Johann Franz von Crone zu Wesel Schwarzenstein von den Erben des Johann Bernhard von Retrath (Nr. 14). Nun kommt es zu einem Streit vor dem Lehensgericht zwischen  dem Grafen von Velen und  der Krudenburg. Der Velener erklärte Schwarzenstein zur Lehenspertinenz  (Lehenszubehör)  der Krudenburg. Im Jahre 1716 werden Schwarzenstein und Krudenburg durch einen Kerzenverkauf veräußert.
  2. Im Jahre 1716 erwirbt so Johann Sigismund Freiherr von Heiden für 11 000 Taler Schwarzenstein, ferner die Krudenburg. Johann Sigismund war 1688 Hofmeister bei Prinz Albrecht von Brandenburg, General der Kavallerie, Gouverneur zu Lippstadt und Drost zu Wetter, von 1713 bis 1730 Kommandant der Festung Wesel.

Das Wappen des Geschlechtes von Heiden:

Er war verheiratet in erster Ehe mit Anna Luwise von Quad Landscron (die ihm vier Kinder schenkte und im Jahre 1687 starb), in zweiter Ehe mit Luise Charlotte Gräfin von Schwerin-Altenlandsberg. Dieser erste von Heiden tat sehr viel für die Wiederherstellung des Schlosses und der Güter. Er baute auch eine große Freitreppe, eine steinerne Brücke vor dem Kastell, die Orangerie und vieles mehr. Er scheint sich oft in Schwarzenstein aufgehalten zu haben. Nach seinem Tode heiratete seine zweite Frau den Major von Blankenburg in Wesel.

Im Jahre 1714 wird der königlich preußische Major Dionysius Georg Joachim von Blankenburg zu Wesel durch die Heirat der Witwe Luise Charlotte Freifrau von Heiden geborene Gräfin von Schwerin Herr zu Schwarzenstein. Nach dem Tode der Frau fiel Schwarzenstein an den Erbnachfolger der Krudenburg zurück.

  1. Der nächste Herr auf Schwarzenstein ist Friedrich Adolf Freiherr von Heiden (Sohn von 16). Er war schwachsinnig. Friedrich Adolf vermählte sich mit Charlotte Sophie von Eller zu Bustede, die ihm eine Tochter (Charlotte Wilhelmine) schenkte. Nun bildeten Krudenburg und Schwarzenstein wieder eine Einheit. 1728 starb er und wurde in Hünxe begraben.

Seine Tochter wurde Herrin zu Schwarzenstein und Krudenburg. Nun sind die drei Ehegatten der Charlotte Wilhelmine vorübergehend Herr auf Schwarzenstein wie auch der Krudenburg, und zwar:

  1. Ab 22. 1. 1735 der königlich preußische Oberstleutnant Freiherr von Graevenitz, Herr zu Mörmter und Hönnepel, der erste Ehemann der Charlotte Wilhelmine von Heiden. Er starb am 31. 12. 1737 kinderlos.
  2. Am 15. 1. 1729 der klevische Geheime Rat und Johanniterritter Johann Sigismund Freiherr von Strünckede zu Dornburg, der zweite Ehemann der Charlotte Wilhelmine. Aus dieser Ehe gehen sieben Kinder hervor. Er starb am 20. 9. 1749, 45 Jahre alt.
  3. Ab 1754 der Titular Kriegsrat (früher reformierter Prediger auf Krudenburg und Gartrop) Johann Vitor, der dritte Ehemann der Charlotte Wilhelmine. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor. Schwarzenstein und Krudenburg sind verschuldet.

Für die nun ebenfalls geistesschwache Kriegsrätin Vietor (geb. von Heiden, verw. Graevenitz und Strünckede) wird der Erbmarschall Graf Quad-Hüchtenbruch zu Gartrop als Kurator eingesetzt. Er will zur Sanierung der Krudenburg Haus und Gut Schwarzenstein veräußern. Der Kauf durch die bürgerliche Witwe Loehr zu Wesel bedarf königlicher Permission, die Friedrich II. versagt. Auf ein Immediatgesuch vom 5. 4. 1776 wurde die Verkaufsgenehmigung schließlich erteilt.

Ein Nebengebäude des Haus Schwarzenstein vor der Renovierung

  1. C) Haus und Rittergut Schwarzenstein im Besitze bürgerlicher Familien (Löhr, Schneider, Eichelberg)
    Die Witwe Johanna Margarethe Löhr geb. Niewart, Ehefrau des verstorbenen Arnold Löhr zu Wesel, erwirbt durch den unter Nr. 20 beschriebenen (vom Alten Fritz verstatteten) Verkauf eines adeligen Gutes an einen qualifizierten bürgerlichen Käufer Haus Schwarzenstein und das dazu gehörige Rittergut. Der Kaufpreis betrug 25 000 holländische Gulden. Am 18. Juni 1776 trat sie Schwarzenstein an. Über die Gebäude und die Güter Schwarzenstein gibt uns eine Taxation aus dem Jahre 1774 nähere Nachrichten.

Die Gebäude: das feste Haus innerhalb des Schloßgrabens, die Stallgebäude, der Pferdestall, das Bauhaus, der Schafstall, das Schäferhäuschen, der Backofen und der Brunnen. Die Grundstücke:  Die Liegenschaften umfassen 158 Morgen 587 Ruten, der Verkehrswert beträgt 17 708 Reichstaler. Dazu gehören die Gerechtsame in der Hofesaat, die Markengerechtigkeit zur Viehhude, die Schweinemast im Dämmerwalde (Waldmark). Sie starb 1808; ihre Tochter Christine Margarethe erbte das Rittergut Schwarzenstein.

  1. Der reformierte Prediger Johann Philipp Schneider, Ehemann der Christine Margarethe (Tochter von Nr. 22) gelangte so 1785 in den Besitz von Schwarzenstein. Dieser vermachte beiden unverheirateten Kindern Johann Arnold und Helene Schwarzenstein.
  2. Der ev. Prediger Johann Arnold Schneider zu Wesel und seine Schwester Helene werden durch Erbschaft von Nr. 23 Besitzer von Schwarzenstein. Sie forsten die Heide auf und legen die Baumallee an. Beide sind 1849 unverheiratet und kinderlos gestorben, nachdem sie als Erben ihre Schwester Catharina bestimmt hatten. Diese restaurierte das Haus für 2000 Taler nach den Plänen des befreundeten General Schoeler zu Wesel.
  3. So wird im Jahre 1849 die älteste Schwester: Catharina von Eichelberg geb. Schneider, Witwe, verheiratet gewesen mit dem Gymnasial-Direktor und Dr. med. Jodocus Albertus Casparus Eichelberg zu Wesel (letzterer ist geboren am 15. 10. 1749, gest. 12. 8. 1819, beerdigt auf Schwarzenstein), Besitzerin von Haus und Rittergut Schwarzenstein.

Über Jodokus Caspar Albert Eichelberg, ein geborener Weseler und einziger Sohn des verstorbenen gelehrten Direktors des Weseler Gymnasiums Christof Albert Eichelberg, dessen Nachfolger im Amte er auch geworden, hat Gantesweiler in seiner Chronik der Stadt Wesel unter Schwarzenstein), Besitzerin von Haus und Rittergut Schwarzenstein.

  1. 1849 erbten Dr. med. Philipp Albert Eichelberg zu Wesel, verwitwet (war verheiratet mit Sophie Marianne Antoinette Westermann aus Wesel), und dessen Bruder Arnold Hermann Eichelberg, Prediger zu Kleve (Söhne von Nr. 25). Sie kauften noch im gleichen Jahre die restlichen Anteile von Schwarzenstein, welche im Besitze  der  Erben  der verstorbenen Helene Schneider (siehe Nr. 25) waren, für 8000 Taler hinzu, so daß sie je zur Hälfte Besitzer von Schwarzenstein waren.
  2. Am 21. 8. 1851 wird Edmund Heinrich Arnold Eichelberg, zweiter Sohn von Albert (siehe Nr. 26), Oberleutnant a.D. im 7. preußischen Kürassier-Regiment, nachdem er seine Geschwister abgefunden hatte, Eigentümer von Schwarzenstein. Er hat die Gebäude und die Liegenschaften des Rittergutes sehr verbessert. Er starb im Alter von 70 Jahren und wurde im Grabgewölbekeller zu Schwarzenstein beigesetzt.
  3. Nach dem Tode von 27 geht Schwarzenstein testamentarisch an den Dr. med. Edmund Julius Hermann Eichelberg, Sanitätsrat und prakt. Arzt in Wesel. (Er war der älteste Sohn des Bruders Alfred von Nr. 27). Er verheiratete sich mit Jakobine Kalle.

Dieser starb am 5. 1o. 1902. Seine Witwe führt die Verwaltung von Schwarzenstein mit dem ältesten Sohn Alfred weiter.

In den Jahren 1889/90 ließ Dr. Eichelberg das baufällige Kastell abreißen; nur der Turm blieb stehen. Nach den Plänen seines Bruders, des Regierungsbaumeisters Leopold Eichelberg, wurde das Haus unter Benutzung der alten Fundamente und der alten Gewölbe neu erstellt. Auch die Ökonomiegebäude werden renoviert oder erneuert.

  1. Im Jahre 1907 wird Alfred Alexander Eduard Fritz Eichelberg, geboren 1875, Sohn von Nr. 25, Landwirt, Besitzer von Schwarzenstein, der es voll als landwirtschaftliches Gut bewirtschaftet. Er heiratet Erika Hafmeister aus Mecklenburg. Sie schenkte ihm einen Sohn und vier Töchter.

Wieder wütet die Kriegsfurie im Lippetal. Die alliierten Engländer und Amerikaner überrollen den Niederrhein im März 1945. Sofort danach marodieren russische und polnische Fremdarbeiter in der Gegend. Sie überfallen nächtlich Haus Schwarzenstein. Dabei wird Alfred Eichelberg in seinem Hause ermordet.

  1. Danach übernahm der älteste Sohn Friedrich Eichelberg (geboren 1919) Haus und Hof Schwarzenstein. Er bewirtschaftete es als landwirtschaftlichen Vollbetrieb.

Friedrich ist verheiratet mit Margarete Baer, die ihm zwei Söhne und eine Tochter schenkte. Friedrich Eichelberg baute für seine Familie ein neues Wohnhaus und stellte das „alte feste Haus, Kastell oder Schloß Schwarzenstein“ für sportliche Zwecke jungen und alten Reitern zur Verfügung.

Ein altes Haus von über 500 Jahren erfüllt auch heute in der modernen Zeit einen bedeutungsvollen Zweck im Naturpark „Hohe Mark“, dem Naherholungsgebiet des Ruhrgebietes.

                                     

                                                                                                                                                                    

Friedrich Sander                                                                            Heimatkalender 1974

Die lutherische Gemeinde Drevenack

Die lutherische Gemeinde Drevenack

Durch den ehemaligen Pfarrer unserer Gemeinde – Friedrich Althen – wurde das im Jahre 1931 herausgegebene Büchlein “Die lutherische Gemeinde Drevenack” geschrieben.

Bedingt durch die freundliche Unterstützung der Kirchengemeinde Drevenack wurde es ermöglicht eine Kopie diese Werkes zu erhalten.         
(Dafür ein ganz besondereres Dankeschön)

Mit diesem Büchlein ist es Pfarrer Friedrich Alten gelungen in den vielen Jahren seiner unermüdlichen Arbeit und Recherche diese Erkenntnisse zusammen zu tragen und selbige  hoffentlich dauerhaft für die Nachwelt  zu erhalten.

Möge der Entschlafene in Ewigkeit für unsere Gemeinde in guter Erinnerung bleiben und sein Werk für alle Zeit an sein Tun und Handeln erinnern.

 

Quellen: Pfarrer Freidrich Althen, Die lutherische Gemeinde Drevenack 1931

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