Zwei Dörfer, viele Verwandtschaften

Zwei Dörfer, viele Verwandtschaften

Hart waren sie, im alten Drevenack. Wer im Dorf unehelich geboren wurde, fand im Kirchenbuch bei seinem Namen die Kennzeichnung „Hurenkind“. Solche und andere Dinge aus der Historie interessieren Hans-Peter Weis.

Der 57-jährige gräbt sie aus. Und er teilt die Schätze bereitwillig mit anderen. Dazu hat er „Das Drevenack Portal“ im Internet eingerichtet, zu finden unter: www.drevenack.de

Kirchtum-Anekdoten

Manche Geschichten sind lustig, die sich in alten Büchern finden, „meist haben Lehrer sie aufgeschrieben“. Wie die aus dem 17. Jahrhundert, als der Schullehrer – er wohnte im alten Pastorat – und der Pfarrer sich lange Zeit nicht grün waren. „Nach einem guten Wein gab es irgendwann eine Prügelei“, schmunzelt Weis. Klar, dass das im Dorf weder unbemerkt, noch unkommentiert blieb – und auch schriftlich festgehalten wurde. Andere Geschichten sind traurig – wie die vom Pfarrer, der auf dem Weg zur Mühle in der Lippe ertrank, seinerzeit war es eher unüblich, dass Menschen schwimmen konnten. Das alles und noch mehr schlummert in Archiven, Pfarrbüchereien und anderen Quellen und wartet auf Leser.

Weis geht es nicht allein darum, Anekdoten und Dönekes aus der Vergangenheit auszugraben. Die Geschichte von Gut Schwarzen­stein findet sich ebenso ausführlich im Portal unter dem Stichwort „Geschichte“, wie Portraits Drevenacker Persönlichkeiten. Und obwohl der Name es nicht vermuten lässt, auch Krudenburg ist hier verzeichnet. „Drevenack und Krudenburg – das war immer eins“, sagt der Berufssoldat im Ruhestand.

Erstmals hatte er Anfang der 90-er Jahre die Idee zu so einer Seite. „1999 hatte ich dann die ersten Seiten im Netz. Das war früh, „damals hatte Hünxe noch keine eigene Internetpräsenz.“ Seitdem hat Weis, der seit seinem fünften Lebensjahr in Drevenack wohnt, recherchiert. „Anfangs habe ich den Heimatkalender genommen, der kam jährlich heraus. Mein ältestes Exemplar ist Jahrgang 1955.“ Mühsam schrieben er oder Mitstreiter die Texte ab, oder er scannte sie ein, „aber dann sind sie nicht so gut zu lesen“.

Sütterlin lesen gehört zu seinem Hobby dazu, „es ist toll, was man da so findet.“ Weis hat sich tief in die Geschichte der beiden Dörfer eingearbeitet, es ist „spannend, wer mit wem hier eigentlich verwandt ist“.

Es gibt noch jede Menge zu tun. Nicht nur Kirchenarchive sind interessant: Beinahe jede alteingesessene Familie hat historisches Material aus den vergangenen Jahrhunderten unter den Papieren. Aus der Zeit, als die Bahnlinie gebaut wurde. Oder aus den Weltkriegen, aus den Jahren, als die Bauern ihren Lehnsherren dienten…

Die Inhalte des Portals

Für Menschen, die selbst in der Vergangenheit forschen wollen – eventuell die eigene Familiengeschichte erkunden -, gibt das Portal Hilfestellung.

Genealogie ist das Stichwort. Hier finden Interessierte Quellenhinweise, die der Historische Arbeitskreis Wesel ausgearbeitet hat. Von Taufregistern über das Heiratsregister, die Kommunikanten, die Glaubensbekenntnisse bis zum Sterberegister.

Erzählungen und Gedichte aus Krudenburg und Drevenack hat Weis gesammelt und auf der Homepage veröffentlicht.

Austausch findet auf den Seiten wenig statt – zum Bedauern des Heimathistorikers. Im Blog könnten andere Interessierte Anregungen geben oder eigene Beiträge verfassen.

Sogar das Wetter in Drevenack und Krudenburg lässt sich hier täglich verfolgen – praktisch im Urlaub.

 

 

 

Quellen:

  1. Kirchenbücher der ehemaligen reformierten Gemeinde Drevenack sowie der ehemaligen lutherischejn Gemeinde Krudenburg.
  2. Auszüge aus den Konsitorialakten der beiden Kirchengemeinden
  3. NRZ – Beitrag von Frau Susanne Zimmermann vom 6. August 2013
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