Aberglauben in niederrheinischen Gebräuchen

Aberglauben in Niederrheinischen Gebräuchen

 

Eine Welt des Aberglaubens um Freundschaft, Liebe und Ehe, um Hexen und Geisterspuk und um den Tod.

Um Freundschaft, Liebe und Ehe, um Hexen und Geisterspuk und um den Tod hat sich allerlei Aberglauben gewoben. Hören wir darüber aus alten Sprüchen:

Wer an einem Montag, Mittwoch oder Freitag in einem Dienst tritt, behält seine Dienststelle nicht lange, auch wer an den genannten Tagen heiratet, wird kein Glück haben.

Eine Nadel verschenken, durchsticht die Freundschaft.

Blüht ein Obstbaum oder Rosenstrauch spät im Herbst, so gilt folgender Spruch:

En Blom buten de Tied Bedück en Bruet of en Liek. Wer oft Klee-Glückcr (Vier-, Fünf-, Sechsblätter) findet, der merke sich den Spruch:

Wä Glück en der Klee, hat Onglöck en der Eh!

Regnet es einer Braut am Hochzeitstage auf den Brautkranz, so kann sich diese merken : Tränen im Brautkranz, Unglück im Ehestand.

Wenn einer ledigen Frauensperson unvorsichtigerweise aufs Kleid getreten wird, heiratet sie bald einen Witwer.

Ein Brautpaar darf auf dem Gange oder der Fahrt zur Kirche keinen Aufenthalt machen, auch nicht umkehren, sonst hat es Unglück im Ehestand zu erwarten.

Der Dienstag ist beliebt und geehrt. Brautleute sollen (wenn immer möglich) Dienstag ihre Hochzeit halten.

Brautleute sollen den Katzen schmeicheln und sie gut füttern, um einen guten Hochzeitstag (besonders schönes Wetter) zu erwarten.

Eine Braut, welche zur Wäsche schlechtes Wetter hat, erfreut sich keines sehr getreuen Bräutigams. Je mehr Scherben der Braut am Hochzeitsabend vor die Tür geworfen werden, desto mehr Glück wird sie in der Ehe haben.

In der Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönigen darf keine Hausfrau waschen, denn während dieses Zeitraumes waschen, bringt Unglück, Unfrieden, Kummer und Sorgen in den Hausstand. Sooft einem Mädchen das Schürzenband losgeht, freit ihr Liebhaber ein anderes Mädchen. Das Mädchen, welches den Mut hat, in der Walpurgisnacht (1. Mai) um die Hexenstunde in seinem Schlafzimmer ganz allein mit zwei brennenden Kerzen in der Hand vor den Spiegel zu treten, sich dreimal gegen sein Spiegelbild zu verneigen und dreimal zu rufen: Bräutigam, zeige dich!“ wird unfehlbar den Zukünftigen“ im Spiegel erblicken neben seinem eigenen Bilde. Ruft ein Mädchen in der Johannisnacht (24. Juni) in der Geisterstunde in den Schornstein hinauf: Wie heißt mein Bräutigam?“, wird ihm eines unsichtbaren Geistes Allwissenheit“ Rede stehen und aus der Höhe des Rauchfanges herunter den Namen des richtigen Bräutigams zurufen. In dem Hemde, bei dessen Nähen ein Mädchen sich unversehens in den Finger sticht, so daß Blut fließt, wird es Braut.

Wenn einem Mädchen eine Haarnadel unversehens fällt, denkt der Liebhaber an sie. Wenn ein Mädchen oder ein Bursche eine Schote mit neun Erbsen hinter die Türe legt, so spricht der erste, welcher die Schwelle überschreitet, den Namen seines künftigen Bräutigams oder seiner Braut aus.

Wenn eine Braut mit einer brennenden Kerze in der Hand in ihr Schlafzimmer geht und zugleich von dem Docht knisternde Funken absprühen, kann sie annehmen, daß ihr Bräutigam sie herzlich liebt. Geschieht dies bei einer anderen Person, so wird sie bald in Zank und Streit geraten. Wer ohne das Kreuzzeichen zu machen, ohne sich zu waschen und zu kämmen des Morgens ausgeht, ist den Tag über unglücklich, über solchen haben die Hexen Gewalt.

Wenn man von einer Hexe gestoßen oder geschlagen wird (durch Zufall oder Absicht), soll man dieselbe gleich wiederstoßen oder schlagen, damit man von ihr nicht behext werde. So oft man von Hexen und Zauberei spricht, muß man dabei sagen: Op dissen heiigen Tag, dat ech von de Hexen kallen mag.“

Wenn in einem alten Hause die Heinzelmännchen gewohnt oder sogar dasselbe erbaut haben, wird dasselbe durch Feuer nicht zerstört werden.

Ist jemand gestorben, und werden ihm die Totenkleider angelegt, muß man ihm die beiden Hauptzehen zusammenbinden, damit er nicht mehr wandern kann.

Irrlichter des Abends oder des Nachts, besonders auf Begräbnisplätzen, Kreuzwegen, Galgenstellen usw., bedeuten, wenn sie sich fortbewegen, Gespenster und böse Geister, wo dieselben stillestehen, liegt ein Schatz begraben.

Es ist nicht ratsam, des Abends oder Nachts die Mitte eines Weges zu gehen, welcher vom Hufschlag der Pferde betreten wird, weil die Geister hier ihren Gang haben und man leicht wider einen Geist stoßen kann.

Ein dreibeiniger Melkstuhl muß immer aufrecht hängen oder stehen, damit eine arme Seele sich vor dem bösen Geiste darunter flüchten kann.

In der Mainacht um 12 Uhr muß jeder Hausherr auf alle Türen des Hofes drei Kreuze machen, diese Kreuzzeichen verscheuchen die Wetterhexen, welche sonst durch Blitz und Gewitter Schaden zufügen.

In dieser Haupthexennacht kommen von allen Weltgegenden die Hexen durch die Luft, um vor ihrem höllischen Meister zu erscheinen. Wenn sie müde sind, rasten sie auf Weißdornhecken, brechen deren Spitzen aus und essen sie. Darum springen auch in dieser Nacht am Weißdornstrauch die Spitzen ab.

Wenn am Mittag das Vieh zum erstenmal auf die Weide getrieben wird, legt man etwas Scharfes vor die Stalltüre, den darübergehenden Tieren zum Schutz gegen Hexen und böse Geister. Bei einem Gewitter haben die Hexen und bösen Geister die meiste Gewalt und benachrichtigen sich gegenseitig, wo sie die nächste Versammlung zu ihren Lustbarkeiten halten wollen.

Seitdem das Morgen-, Mittag- und Abend-Ave-Läuten eingeführt, sind die Heinzelmännchen verschwunden.

Die Stelle, wo ein Schloß, eine Mühle oder ein Hof versunken ist, gilt nach dem Abend- bis Morgen-Ave-Läuten als unheimlich. Des Nachts geht dort in der Geisterstunde der Geist des verstorbenen früheren Bewohners herumspuken, bis er abgefragt und sein Wunsch erfüllt wird. In der heiligen Christnacht dürfen die bösen Geister keinem Menschen etwas zuleide tun. In den Nächten von Weihnachten bis Dreikönige treiben die Spuke und Gespenster am liebsten ihr Unwesen. Elstern bringen Unfrieden und böses Geschwätz. Dieselben werden auch als verwandelte Hexen angesehen.

Mit den Gebeinen der Nachteule kann man Zauberkünste treiben.

Wenn man auf oder an einem Wege ein Kreuz auf der Erde zeichnet, kann dort, solange dasselbe sichtbar ist, eine arme Seele vor dem höllischen Geiste flüchten. — Eben dasselbe kann sie überall da, wo ein Kreuz, Fußfall oder Heiligenhäuschen steht.

Die Eggen müssen abends auf die Schleife oder durch sonst ein Holz erhöht und gestützt werden.

Wegen der Kreuze an denselben kann des Nachts eine arme Seele sich vor den Nachstellungen des bösen Feindes flüchten.

Um die Grenzsteine schreiten zu mitternächtlicher  Stunde  feurige Wächter, welche dieselben schützen.

Schwarze Katzen sind verwandelte Hexen, die gern in die Schlafzimmer schleichen. Auch um den Gevatter Tod hat sich eine Welt des Aberglaubens und der Sage aufgebaut: Schlägt während der hl. Wandlung mit der Wandlungsglocke gleichzeitig die Glocke zum Stundenschlag, so muß einer sterben.

Heult in der Nachbarschaft eines Kranken ein Hund, so holt bald der Tod sein Opfer. Fliegt eine Elster schreiend um ein Haus oder ruft ein Käuzchen: Komm mit!“, so muß einer sterben. Wühlt der Maulwurf am Fundament eines Hauses einen Gang, so muß in dem betreffenden Hause bald einer sterben.

Schreit ein Rabe auf einem Hause, so bedeutet das, daß bald einer in demselben sterben muß, schreit ein Rabe dagegen auf dem Friedhof, so bedeutet das, daß jemand lebendig begraben wurde. Ein Kuckuck, der sich in der Nähe eines Hauses aufhält, kündet den baldigen Tod eines Hausbewohners an.

Wollen Pferde an einem Hause nicht vorbei, so stirbt in demselben bald jemand.

Wenn Leichenwagen auf dem Wege zum Friedhof anhalten müssen, so stirbt bald wieder einer in der Nachbarschaft.

Liegt ein Toter mit lachender oder freundlicher Miene auf dem Totenbett, so stirbt bald einer aus der Verwandtschaft.

Begegnet einem Leichenzuge unterwegs zuerst eine Mannsperson, so muß bald eine männliche Person in dem Orte sterben, begegnet ihm aber zuerst eine Frau, so stirbt eine solche zuerst. Das Totenhemd darf nicht zu lang sein, damit der Tote beim letzten Gerichte frei gehen kann, ohne darauf zu treten.

Liegt eine Leiche über den Sonntag, so stirbt in der nächst folgenden Woche wieder jemand, nach dem alten Spruch: En Sonndagslick mäkt den Kerkhof rick.“

Aber wir wollen diesen Aberglauben nicht sonderlich ernst nehmen. Man sagt ja auch: So du glaubst, so dir geschieht.“

 

 

 

Quellen: Josef Wolff, Heimatkalender 1968